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Gespräch am Abend, in Vorausschau auf das Fest des Hl. Joseph

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st joseph...Am 19. März feiern wir das Fest des Heiligen Joseph. Sag, was weißt du von ihm?

...das ist gar nicht so einfach zu sagen... – Was mir zuerst dabei einfällt ist unsere Kirche.

...Das wundert mich. Wieso?

...Das ist ganz einfach. Mein Vater hieß Josef und wir feierten an diesem Tag ein Fest. Zuerst gingen wir in die Kirche. Zu der Zeit gab es noch täglich eine heilige Messe. Anschließend waren wir bei guter Stimmung zu hause. Alle Geschwister waren da und es gab ein besonderes Essen. Es war richtig schön. Ich habe mich jedes Jahr auf dieses Fest besonders gefreut.

...OK, das war sicherlich ein eindrucksvoller Tag für dich, wenn du heute noch so begeistert davon sprichst. Was jedoch weißt du über den Hl. Joseph? Was sagt er dir heute, nach so vielen Jahrhunderten. Was für eine Rolle spielt er in deinem Leben?



...Wenn ich da so dran denke... dann merke ich, dass ich gar keine rechte Beziehung zu ihm habe. Was weiß ich schon von ihm?.....

...Lass uns in der Hl. Schrift nachlesen, vielleicht kommen wir ihm dann näher.
Dort steht, er sei von Beruf Zimmermann gewesen.

...Damit war er ein Handwerker, konnte mit seiner Hände Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen und wahrscheinlich auch das einer Familie.

...Damit war er sicherlich auch ein realistischer Mensch.

...Ja, der bodenständiger gewesen sein muss, der wusste, wo es lang ging und dem man wahrscheinlich kein X für ein U verkaufen konnte. Einer, der allein oder mit anderen zusammen ein Haus bauen kann, der muss bestimmte Gesetze beachten, sonst wird nix draus.

...Genau und dann war er mit Maria verlobt, heißt es.

...Also, dann war er wohl verliebt und alle Leute wussten, dass die beiden heiraten wollten. Vielleicht stand er schon in Hochzeitsvorbereitungen?...

...Ja und dann kommt der Hammer, er beobachtet, dass Maria schwanger ist.

...Das dürfte schon ein Schock für ihn gewesen sein. Diese Enttäuschung, diese Kränkung, alle Zukunftspläne werden damit für ihn über den Haufen geschmissen...

...Das sehe ich auch so. Dabei fällt mir auf, dass der Geschichtsschreiber nicht davon spricht, dass Joseph jetzt wütend wird oder sich für eine Auseinandersetzung mit seinem „Rivalen“ rüstet. Auch macht er Maria keine Vorwürfe...Er zieht sie nicht zur Rechenschaft...

...Ja, das ist wirklich auffällig. Er hat sie offensichtlich sehr geliebt. Er will kein Aufhebens machen, Marias Ruf wäre im Eimer gewesen. Es muss ihm also wichtig gewesen sein, dass Maria nicht betrübt wurde. Sie sollte kein Leid erfahren. Vielleicht hatte er auch andere Gedanken... auf jeden Fall war er um den Ruf von Maria bedacht.

...So sehe ich das auch.

Außerdem konnte er sich sicherlich leicht ausdenken, was die Leute alles sagen und eventuell tun werden. Bei Ehebruch war die Steinigung ja auch üblich...

...Was ein Ding! Immer sind es die Frauen, die zur Rechenschaft gezogen werden. Die in diesem Fall auch noch umgebracht werden... Ob Joseph an all das gedacht hat?

...Das können wir nicht wissen, uns höchstens denken. Aber dann kommt’ s ja noch. Ein Engel sagt Joseph im Traum, seine Verbindung mit Maria sei Ordnung, sie sei so gewollt. Gott sei, durch Wirken des Hl. Geistes, der Vater des Ungeborenen.

...Das hat er so geträumt und auch noch geglaubt!

... Er verlässt sich auf seine Traumerfahrung. Wenn man heute einen Traum erzählt, dann wird die Traumerfahrung meistens nicht für voll genommen. Wir haben nicht gelernt, auf unsere Träume zu hören. Aber Joseph wusste offensichtlich, dass Gott im Traum dem Menschen „unglaubliche“ Botschaften vermittelt.

...Meinst du, dass Gott heute noch immer den Menschen im Traum Mitteilungen macht?

...Ich kann mir das schon vorstellen. Nur ob wir das erkennen? Joseph war sich seiner Sache sehr sicher. Er erkannte den Gottesboten.

...Woran hat er ihn wohl erkannt?

...Ich weiß es nicht. Jedenfalls macht der Bericht des Geschichtsschreibers diesen Eindruck. Joseph scheint auch Angst gehabt zu haben. Vielleicht nicht vor dem Engel, aber vor der ganzen neuen Situation mit Maria.

...Das stimmt, denn der Engel sagt: „Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen....“ Dann bekommt er den Auftrag, für ein Kind zu sorgen, das nicht von ihm ist, ihm einen Namen in Verbindung mit seinem Namen zu geben. ...und er nimmt den Auftrag fraglos an! Ohne wenn und aber. – Welch großherzige und vertrauensvolle Liebe!?.........

...Das kann man wohl sagen.

...Was meinst du, was könnten wir zusammenfassend vom Hl. Joseph sagen?

Er war:
-    Handwerker und damit praktisch veranlagt
-    Zimmermann und konnte Häuser bauen, für sich und andere
-    in seinem Verhalten eindeutig, er bezog Position ohne verletzend zu sein
-    gerecht, er verurteilte nicht
-    tief gläubig, er vertraute ganz dem Boten Gottes und hielt sich an seine Anweisungen
-    friedfertig, er ging in keinen Rivalenkampf
-    tolerant, er drückte seine Überzeugung anderen nicht auf
-    fast unvorstellbar liebesfähig, er stellte Maria nicht bloß, obwohl er sicherlich gekränkt war, als er Maria in anderen Umständen sah
Und ... er stellte keine Besitzansprüche an eine Partnerin, er hätte Marias Entscheidung für
einen anderen Mann respektiert, indem er kein Aufsehen von der veränderten Situation
gemacht hätte. Wenn wir weiter suchen, finden wir wahrscheinlich noch mehr Tugenden...

...Bestimmt, aber sag mal, meinst du, dass es einen solchen Mann überhaupt geben kann, geben konnte? Ist das nicht eher eine Idealfigur, von der dort in der Bibel berichtet wird?

...Na ja, du könntest schon Recht haben, aber bedenke doch, wenn über die Jahrhunderte hinweg diese Beschreibung überlebt hat, dann muss der Hl. Geist schon einen Grund haben, warum er uns ein solches männliches Bild vom Hl. Joseph anbietet.

...Du meinst also, der Hl. Joseph könnte für Männer in ihrem Leben eine Ausrichtung, so etwas wie ein Vorbild, sein.

...Ja, aber nicht nur für Männer. Sieh Dir die Qualitäten an, die wir herausgefunden haben. Meinst du, die gelten nur für Männer?

...Nein, du hast Recht, sie gelten natürlich auch für Frauen. Es wäre besonders schön, wenn wir Frauen diese Tugenden entwickeln würden und sie unseren Kindern vermitteln könnten. Und die Tugenden, die wir bei unseren Männern schon erkennen (sicherlich haben sie die eine oder andere Tugend auch), hervorheben und unterstreichen würden...

...Da wird uns mal wieder eine Aufgabe bewusst...

...Du sagst es... Lass es uns versuchen. Ich bin gespannt, ob unser kleine Tintentropfen, in ein Glas Wasser gegeben, das Wasser verändern wird...

...Einverstanden! Bis bald.

...Danke für das aufschlussreiche Gespräch mit dir. Es hat mir gut getan, mit dir über dieses Thema zu sprechen.

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