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Sieben Stationen - Wege des Kreuzes, Wege des Leidens

Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen,
sondern wird das Licht des Lebens haben. Joh 8,12

Die drei katholischen Kaplänge Hermann Lange, Eduard Müller, Johannes Prassek wurden zusammen mit dem evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink in Lübeck im Laufe des Jahres 1942 verhafet, weil sie dem Konflikt zwischen nationalsozialistischer Weltanschauung und christlichem Glauben nicht ausgewichen sind. Sie wurden zum Tode verurteilt und am 10. November 1943 gemeinsam in Hamburg hingerichtet.

Am 25. Juni 2011 wurden Hermann Lange, Eduard Müller und Johannes Prassek in Lübeck selig gesprochen. Pastor Stellbring gebührt das gleiche ehrende Gedenken. Das Martyrium und Glaubenszeugnis aller Vier Lübecker Märtyrer gehört zusammen als ein frühes Beispiel gelebter Ökumene. Ein weiteres ehrendes Gedenken gebührt dem Leeraner Pfarrer Heinrich Schniers, der am 30. August 1942 im Konzentrationslager Dachau umgekommen ist.


"Hat man den Gedenkraum für die Vier Lübecker Märtyrer und für Pfarrer Schniers im Eingangsbereich von St. Michael in Leer durchschritten und gelangt in den Kirchenraum, so sind es Sieben Stationen des Erinnerns, die von der Orgelempore bis zum neuen Altarkreuz der Vier Lübecker Märtyrer ziehen.

Farbige Holzdruck-Ausschnitte aus den Sieben Stationen des Nürnberger Kreuzwegs von Adam Kraft (1506-08) überlagern Schwarzweißfotografien aus dem 2. Weltkrieg von den zerstörten Städten Lübeck und Hamburg, den Orten des Leidens der Vier Lübecker Märtyrer und aus dem Priesterblock des Konzentrationslagers Dachau, wo Pfarrer Schniers zu Tode kam. Das Foto von Dachau zeigt die Priester bei der Heiligen Messe, die als inhaftierte Priester mit einem X auf dem Rücken gekennzeichnet wurden.

In einem kleinen Begleitheft werden Texte der Vier Lübecker Märtyrer aus ihren letzten Lebensjahren, ein Ausschnitt aus dem sog. Lübecker Martyrologium und Ausschnitte aus der Ansprache von Papst Franziskus vom Karfreitag 2016 im Kolosseum in Rom den Sieben Stationen gegenübergestellt.

Die Geschichte der Passion wird bis in unsere Zeit fortgeschrieben." Klaus Simon (Juli 2016)


Der Bilderzyklus mit sieben Fotomontagen zeigt farbige Holzdruck-Ausschnitte aus den Sieben Stationen des Nürnberger Kreuzwegs von Adam Kraft (1504-06) kombiniert mit Schwarzweißfotografien aus dem 2. Weltkrieg von Lübeck und Hamburg, den Orten des Leidens der Vier Lübecker Märtyrer und aus dem KZ Dachau, wo Pfarrer Schniers zu Tode kam.

Die Bilder hängen seit August 2016 als Kreuzweg in der kath. Kirche St. Michael in Leer.

 

1. Station

Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.

Lübeck, Luftangriff am 28./29. März 2942, brennender Dom
Lübeck, Luftangriff am 28./29. März 2942, brennender Dom
Als Lübecks Türme, Zeugen vergangener Frömmigkeit, zusammengebrochen waren, gefiel es Gott, sich neue Türme zu bauen, Zeichen lebendigen Glaubens. Vor vielen wählte er jene aus, die wir hier ehren. Sie folgten ohne Furcht und gingen den Weg ihrer Berufung bis zum Ende. So lebten Sie unter uns: Sakramente spendend auch
gegen das Verbot der Mächtigen. Sie hör ten die Beichten jener, die der Heimat ber aubt und entrechtet unter uns lebten. Sie reichten ihnen den Leib des Herrn und segneten ihre Ehen. So gingen sie vor uns her: Freude ausströmend über dürre und verzweifelte Seelen, weil sie ihr Vertrauen auf Gott gestellt hatten.
Die Wahrheit laut herausrufend in ihrer Predigt, als Lügen und Verschweigen herrschten.

aus dem Lübecker Martyrologium von Gisela Maria Thoemmes
Ursprungsfassung 1958, letzte Fassung 2004

2. Station

Jesus begnet seiner Mutter


Lübeck 1942, zerstörte Sandstraße mit Marienkirche
O Kreuz Christi, Symbol der göttlichen Liebe und der menschlichen Ungerechtigkeit, Ikone des höchsten Opfers aus Liebe und des größten Egoismus aus S tolz, Werkzeug des Todes und Weg der Auferstehung, Zeichen des Gehorsams und Sinnbild des Verrats, Galgen der Verfolgung und Banner des Sieges.

O Kreuz Christi, auch heute noch sehen wir dich in den Gesichtern der Kinder, der Frauen und der Menschen, die erschöpft und verängstigt vor den Kriegen und der Gewalt fliehen und oft nur denTod finden oder viele wie Pilatus mit gewaschenen Händen antreffen.

O Kreuz Christi, auch heute noch sehen wir dich in denen, die Lehrer des Buchstabens und nicht des Geistes sind, des Todes und nicht des L ebens, die Strafe und Tod androhen und den Gerechten verurteilen, anstatt die Barmherzigkeit und das Leben zu lehren.

Papst Franziskus in seiner Ansprache am Karfreitag, 25. März 2016
im Kolosseum in Rom

 

3. Station

Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.

Station3 1000
Lübeck, 1942, Auf der Parade, Herz-Jesu-Kirche und Pfarrhaus
In Deiner Kraft, mein Herr und Heiland,
nehme ich auf mich das Schwere,
das Gott mir zugedacht,
Mit Dir schaue ich auf zum Vater im Himmel.
Dein Wille geschehe.
Dein Wille geschehe in mir und dur ch mich.
Ich vertraue fest, daß mir alles aus Deiner Liebe kommt.
Ich glaube, daß Kummer und Mühsal
mir Stufen werden können zur Höhe.
Jesus Christus, sei Du mit mir !
Du hast Dein Kreuz auf Dich genommen.
Du weißt, wie schwer es ist, sein Kreuz zu tragen.
Mein Herz ist bereit, o Gott, ich bin ber eit.
Gib mir Deine Kraft: zu überwinden und zu bestehen.
Amen!

Gebet, das Johannes Prassek kurz vor dem Prozess in sein Neues
Testament schrieb

4. Station

Jesus begegnet den weinenden Frauen

Station4 1000
Priesterblock im Konzentrationslager Dachau, wo Pfarrer Schniers zu Tode kam
Jetzt wird für mich der Glaube übergehen in
Schauen, die Hoffnung in Besitz und für immer
werde ich Anteil haben an Dem, Der die Liebe ist !
Da sollte ich nicht voller Spannung sein?
Wie mag alles sein? Das, worüber ich bisher predigen
durfte, darf ich dann schauen! Da gibt es
keine Geheimnisse und quälenden Rätsel mehr.
Ich habe von Anfang an alles in Gottes Hände
gelegt. Wenn er nun dieses Ende v on mir fordert –
gut es geschehe sein heiliger Wille.

Hermann Lange in seinem Abschiedsbrief an seine Eltern
am 10. November 1943, am Tag seiner Hinrichtung

5. Station

Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Station5 1000
Lübeck, 1942, Ruinen um Marienkirche
Denke doch einmal, was das heißt: in Christus sein! Sein Leben leben! Jeder Mensch ein Christus. In jedem meiner Mitmenschen soll ich Christus sehen, lieben und dienen! Ich selbst eine "Epiphania Christi", eine Erscheinung, Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und Größe, die jetzt zwar noch nicht sichtbar, offenbar ist, aber Tatsache ist, eine größere Wirklichkeit als die Tatsache, daß die Dinge um mich her wirklich existieren! Ja hinausschreien müssten wir es in die Welt: "Christ erkenne deine Würde und Größe und wirf sie nicht weg!"

Eduard Müller an Franz von de Berg am 10. Januar 1943 im Marstallgefängnis in Lübeck.

6. Station

Jesus fällt zum dritten Mal unterm Kreuz

Station6 1000
Hamburg, nächtliche Bombadierung am 24./25. Juli 1943.
Nun hat alles Warten ein Ende, der Weg liegt endlich
wieder klar vor mir, und das Ziel ist uns Kristen (sic)
ja bekannt. Wie oft habe ich davon gepredigt; nun
ist es bald erreicht.
Da gilt mein erstes Wort dem treuen Gott, der mich
so tausendfach in meinem Leben bewahrt und mit
unendlich vielen Freuden erfreut hat. –
Wahrlich es ist nicht schwer zu sterben und sich in
Gottes Hand zu geben.

Karl Friedrich Stellbrink in seinem Abschiedsbrief an seine Frau
am 10. November 1943, am Tag seiner Hinrichtung.

 

(Das Bild zeigt die nächtliche Bombadierung am 24./25. Juli 1943 auf Hamburg, wo die Vier Lübecker Märtyrer in ihren Gefängniszellen gefesselt ausharren mussten.)

7. Station

Jesus wird ins Grab gelegt

Station7 1000
Lübeck, zerstörte Alfstraße
O Kreuz Christi, wir sehen dich auch heute noch
in den um ihres Glaubens willen Verfolgten, die in
ihrem Leiden weiter ein authentisches Zeugnis für
Christus und das Evangelium geben.

O Kreuz Christi, wir sehen dich auch heute noch in
denen, die Träume haben, die mit dem Herz en eines
Kindes leben und jeden Tag dafür arbeiten, dass die
Welt besser, menschlicher und gerechter wird.

O Kreuz Christi, lehre uns, dass der Aufgang der
Sonne stärker ist als die Dunkelheit der Nacht.

O Kreuz Christi, lehre uns, dass der scheinbare Sieg
des Bösen sich vor dem leeren Grab verflüchtigt,
vor der Gewissheit der Auferstehung und der Liebe
Gottes, die nichts zu besiegen, zu verdunkeln oder
abzuschwächen vermag.
Amen!

Papst Franziskus in seiner Ansprache am Karfreitag, 25. März 2016
im Kolosseum in Rom

Impressum

Bildnachweise:

  1. Lübeck, Luftangriff der Royal Air Force am 28./29. März 1942, brennender Dom, Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1977-047-16/CC-BY-SA 3.0
  2. Lübeck, zerstörte Sandstraße mit Marienkirche, Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1980-121-11/CC-BY-SA 3.0
  3. Lübeck, Zerstörungen Auf der Parade, Herz-Jesu-Kirche und Pfarrhaus, Foto in: Peter Voswinckel, Geführte Wege – Die Lübecker Märtyrer in Wort und Bild, Kevelaer 2010, S. 118.
  4. Gottesdienst der Priester im KZ Dachau, Foto: Privatbesitz Hermann Scheipers
  5. Lübeck, 1942, Ruinen um die Marienkirche, Foto: Bundesarchiv, Bild 146-2005-0054/CC-BY-SA 3.0
  6. Hamburg, nächtlicher Bombenangriff der Royal Air Force am 24./25. Juli 1943, Foto: Royal Air Force Bomber Command, 1942-1-945/C3677
  7. Lübeck, zerstörte Alfstraße, Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1980-121-20/Appel,E./CC-BY-SA3.0

Literatur:

  • Peter Voswinckel, Geführte Wege – Die Lübecker Märtyrer in Wort und Bild, Kevelaer 2010.
  • Erzbistum Hamburg, Bistum Osnabrück (Hg.), Wer sterben kann, wer will den zwingen? – Zur Seligsprechung der Lübecker Märtyrer, Hamburg 2011.
  • Martin Thoemmes, »Sag niemals drei, sag immer vier« – Das Gedenken an die Lübecker Märtyrer von 1943 bis heute, Hamburg 2012.
  • Ansprache von Papst Franziskus: O Kreuz Christi, Kreuzweg im Kolosseum, Karfreitag, 25. März 2016, Libreria Editrice Vaticana 2016.

V.i.S.d.P. Pfarrer Dr. Andreas Robben, Lutherischer Schulgang 4, 26789 Leer
Redaktion und Layout: Klaus Simon